Projekt Beschreibung

Hochtour auf den Hochfeiler (italienisch: Gran Pilastro)

  • 2-Tages Hochtour

  • Zillertaler Alpen

  • Nichts für Flachlandtiroler

  • Pfitscherjoch-Haus / Hochfeiler Hütte

  • Höchster Gipfel im Zillertal

  • Summit First – Breakfast Second

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Höchster Punkt
Routenplaner: Parkplatz Schlegeis Stausee

Mit seinen 3.510 Metern überragt der Hochfeiler alle anderen Gipfel in den Zillertaler Alpen und obendrein bietet er sich hervorragend für alle Hochtouren-Newbies als einfache Einsteiger-Tour an, denn den Gipfel erreicht man über den Normalweg ohne Gletscherkontakt. Nichtsdestotrotz bewegt man sich im beeindruckenden hochalpinen Ambiente der umliegenden Zillertaler Gletscher. Richtiges Hochtouren-Feeling kommt aber vor allem auf dem Grat zum Gipfel des Dreieinhalbtausenders auf und auch der Blick auf die direkten Nachbargipfel wie z.B. den Olperer oder den großen Möseler sowie das faszinierende Panorama lässt jedes Bergsteigerherz höherschlagen.

Tag 1: Anreise und Aufstieg zur Hochfeilerhütte

Einen deutlich kürzen Zustieg zur Hochfeilerhütte hätte man, wenn man über den Brenner nach Südtirol fährt und bei Sterzing östlich ins Pfitschertal abbiegt. Hier kann man mit dem Auto über das Talende hinaus auf einer Schotterstraße bis zur 3. Kehre mit dem PKW fahren und dort gebührenfrei parken. Von dort sind es dann lediglich 3 Std. bis zur Hütte. Diese kürze Variante erschien uns allerdings etwas uninspiriert und wenig ambitioniert. Darum haben wir uns für die „Extended Version“ entschieden. Denn wenn wir schon den höchsten Gipfel im Zillertal besteigen, dann wollen wir auch entsprechend im Zillertal losmarschieren.

Gesagt, getan: mit dem Auto also früh morgens durchs Zillertal, über das Bergsteigerdorf Ginzling hoch bis zum hinteren Parkplatz am Schlegeisspeicher (Mautstraße). Von dort starten wir also bei eher mäßiger Witterung in südöstlicher Richtung durch den Zamser Grund der Beschilderung Pfitscher Joch/Pfitscher-Joch-Haus folgend. Auf den ersten Metern sieht es noch so aus, als würden wir jeden Moment die Regenjacken auspacken müssen. Mal schauen, wie sich das noch weiter entwickelt…

When in Italy: „Due espressi e un cappuccino per favore!“

Nach knapp 6km Wegstrecke, ungefähr 500 Höhenmetern und ca. 1:40 Std. Gehzeit sind wir auch schon in Italien bzw. auf dem Pfitscher Joch. Die Zillertaler Bergwelt verbirgt sich an diesem Morgen aber hinter dicken Wolken, darum kommen wir zunächst unserer touristischen Sorgfaltspflicht nach und gönnen uns auf dem Pfitscher-Joch-Haus erstmal einen italienischen Kaffee bevor wir uns an den Abstieg zu dem o.g. Startpunkt am Ende des Pfitschtals machen. Ob es sich gelohnt hat, im Zillertal zu starten wird sich dann erst am Ende unseres Wochenendes herausstellen. Aber dazu dann später mehr…

Jetzt erstmal wieder 600hm runter und dann wieder knapp 1.000hm hoch zu unserem ersten Etappenziel. Vom Pfitscher Joch sind es ca. 10km bis zur Hochfeilerhütte auf 2710m und kaum haben wir die Grenze hinter uns gelassen wird das Wetter auch deutlich besser. Aaah, bella Italia…

Der Pfad führt uns stetig steigend zunächst durch den Wald, später über nicht mehr ganz so saftige Hochwiesen und schließlich immer weiter, bis das Terrain deutlich felsiger und karger wird. Aus der Ferne lässt sich dann auch schon bald die abgelegene Hütte und die rechts darunter liegende Gletscherzunge des Gliederferners erkennen. Am Ende sind es dann nur noch ein paar Serpentinen, die bewältigt werden müssen, bevor das Hüttenprogramm beginnt: Bier, Zimmer beziehen, Duschen, Bier, Abendessen, Aperol, Rucksack packen für die Sunrise Mission, früh schlafen gehen… Gute Nacht!

Mit viel Ungewissheit den Wecker auf 4:15 Uhr stellen!

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit hat es dann doch noch ordentlich geregnet, aber da saßen wir schon längst im Trockenen auf der fast schon luxuriös ausgestatteten Hütte. Bezüglich der Wettervorhersage für unseren Gipfeltag hatten wir leider unterschiedliche Informationen erhalten und so sind wir mit gemischten Gefühlen und einigen großen Fragezeichen über dem Kopf ins Bett gegangen. Wird es morgen regnen? Ob sich das wohl ausgeht mit dem ersehnten Sonnenaufgang am Gipfel? Hat es in den Höhenlagen viel geschneit? Wir werden es erst wissen, wenn wir in der Früh vor die Hütte treten.

04:30 Uhr: Sternenklar

Wow, was ein Sternenzelt! Stirnlampen anschalten und dann aber nix wie los! Unweit der Hütte geht es gleich in einen felsigen Kraxelabschnitt, der aber mit mehreren Stahlseilen sehr gut versichert ist. Geübte sollte das auch in der Dunkelheit vor keine größere Herausforderung stellen. Nachdem wir diese Passage hinter uns gelassen haben, geht es auf dem Hochgebirgssteig weiter bis zum Grat auf ca. 3.100m.

Die Steigeisen haben wir zur Sicherheit selbstverständlich mit dabei und es hat in der Nacht tatsächlich einige Zentimeter geschneit – benötigt haben wir sie dann schlussendlich nicht. Aber vor allem der Gipfelgrat kann je nach Witterung vereist sein und mit Schneefeldern muss man in dieser Höhe immer rechnen. Außerdem lassen sich die Verhältnisse von unten nur schwer einschätzen. Also lieber ein paar Gramm mehr mitschleppen, dafür dann aber auf der sicheren Seite sein.

Wir folgen dem Grat und gehen bereits dem ersten Tageslicht entgegen. Sowohl der tiefe Blick nach unten auf die Gletscherbrüche des Eisspitzferner (links) und des Gliederferner (rechts) als auch der Blick nach oben in die immer intensiver werdende Morgenröte raubt uns den Atem – oder liegt das an der dünnen Höhenluft?

Die letzten 150 Höhenmeter auf dem felsigeren Gipfelgrat gehen wir über teilweise vereistes bzw. vom Neuschnee angezuckertes und somit recht rutschiges Blockwerk und passieren dabei noch die ein oder andere leichte Kraxelstelle. Durchweg aber ohne größere technische Schwierigkeiten, gelangen wir dann schließlich hinauf zum Gipfel!

Wow, was ein Panorama und noch 5 Min. bis zum Sonnenaufgang. Hammer Timing!

Staunen am Gipfel

In schwindelerregender Tiefe liegt das Schleigeiskees, der Schlegeisspeicher liegt noch im dunklen Schatten. Im Norden wird der Olperer von den ersten Sonnenstrahlen geküsst, südlich die Dolomiten mit der Marmolada, die aus dem Dunst der frühen Morgenstunden emporschaut und in allen Himmelsrichtungen, reiht sich eine Bergkette hinter die nächste – soweit das Auge reicht. WOW! Vor uns war heute noch niemand hier.

Der lange Abstieg zurück ins Zillertal

Nachdem wir am Gipfel im Glanz der ersten Sonnenstrahlen des Tages eine ausgiebige Rast genossen haben, machen wir uns an den bevorstehenden und langwierigen Abstieg von etwa 2900 Höhenmeter inkl. Gegenanstieg zum Pfitscher Joch. Diesen gilt es nicht zu unterschätzen und darum legen wir auf der Hochfeilerhütte nochmal eine ausgiebige Frühstückspause auf der Sonnenterasse der Hütte ein. Mit dem freundlichen Hüttenpersonal hatten wir am Vorabend vereinbart, dass wir das Frühstück, welches in der Halbpension inbegriffen ist, auf die Zeit nach unserer Sunrise-Mission verlegen möchten.

Schweren Herzens heißt es dann Abschied nehmen vom Traumgipfel in den Zillertaler Alpen. Auf der Abstiegsroute wenden wir unseren Blick noch das ein oder andere Mal zurück auf den mittlerweile doch etwas höher frequentierten Gipfelbereich. Der Abstieg erfolgt dann über den Aufstiegsweg und nach dem Gegenanstieg zum Pfitscher-Joch-Haus gibt’s dort dann zum Mittag erstmal eine ordentliche Portion italienische Pasta bevor wir wieder ins Zillertal absteigen.

Achso, eine Antwort sind wir euch noch schuldig: ja, es hat sich gelohnt im Zillertal loszumarschieren. Beim lang angekündigten Lake-Dip von Martin zuzuschauen war wahrlich ein Vergnügen. Wenn der Name eines Sees das Wort „Eis“ beinhaltet, könnt ihr euch sicher vorstellen, was das über die Wassertemperatur aussagt.

High, higher, Hochfeiler – get high and well outside!

Weitere Details und die GPS Daten findest du bei Komoot:

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