Hochtour auf den Olperer – über den Normalweg (Olpererhütte & Südostgrat)
Einer der schönsten Gipfel der Zillertaler Alpen
Der Olperer ist mit 3.476 Metern zwar nur der dritthöchste Gipfel der Zillertaler Alpen, aber zweifelsohne einer der schönsten Aussichtsberge der Region. (Höchster Gipfel: Hochfeiler mit 3510 Metern, gefolgt vom Großen Möseler mit 3.480 Metern.
Besonders der Anstieg über den Südostgrat macht die Besteigung zu einer abwechslungsreichen Hochtour mit ausgesetzter Kletterei, großartigen Tiefblicken und einem Panorama, das man so schnell nicht vergisst.
Wir besteigen den Olperer über den Normalweg von der Olpererhütte aus – und erleben dabei nicht nur einen perfekten Gipfeltag, sondern auch einen ziemlich spektakulären Hüttenabend hoch über dem Schlegeisspeicher.
Aufbruch Richtung Zillertal
Freitagmittag, kurz nach 13 Uhr, starten wir südlich von München Richtung Zillertal. Knapp zwei Stunden später erreichen wir den Parkplatz am Schlegeisspeicher. Das Wetter sieht zu diesem Zeitpunkt allerdings wenig vielversprechend aus.
Kaum haben wir unsere Rucksäcke geschultert, setzt auch schon der Regen ein und das erste Donnergrollen lässt nicht lange auf sich warten. Somit steht gleich fest: Heute geht es nicht mehr darum, gemütlich zur Hütte zu schlendern. Wir wollen möglichst schnell und möglichst trocken nach oben.
Der Zustieg zur Olpererhütte ist mit rund 600 Höhenmetern eigentlich ein gemütlicher Hüttenweg. Immer wieder schauen wir nach oben und hoffen, dass das Gewitter nicht direkt über uns hinwegzieht. An diesem Nachmittag benötigen wir etwas mehr als eine Stunde dafür. Schnell sind wir also, aber trocken kommen wir trotzdem nicht davon und werden ab der Hälfte des Weges ordentlich geduscht.
Aber das Wichtigste: Wir erreichen sicher unsere Base – die Olpererhütte.
Magischer Abend hoch über dem Schlegeisspeicher
Nachdem wir unsere durchnässten Bergstiefel und Kleider im Trockenraum drapiert haben, ist das Gewitter fast schon wieder vergessen. Noch während dem Essen klart der Himmel ganz langsam auf. Einige Wolken hängen noch an den Bergen, ziehen tief unten durch das Tal und geben immer wieder den Blick auf den Stausee frei.
Die Olpererhütte wurde 2007 neu gebaut und ist äußerst komfortabel. Wir haben zwar nur einen Lager-Schlafplatz im Winterraum neben der Hütte bekommen, aber lange schlafen werden wir dort ohnehin nicht. Dazu kommt eine gemütliche Gaststube mit großem Panoramafenster. Bei dieser Aussicht schmeckt das Abendessen sowieso herausragend.
Direkt oberhalb der Hütte, nur 2-3 Gehminuten entfernt, überspannt die berühmte Stahlseilbrücke einen reißenden Gebirgsbach.
Die Stimmung ist schwer zu beschreiben. Nach dem hektischen und nassen Aufstieg wirkt die Szenerie beinahe unwirklich. Ein kleiner Regenbogen in der Ferne, aufziehende Wolken, der dunkle Schlegeisspeicher tief unter uns und dazwischen immer wieder einzelne Sonnenstrahlen. Einer dieser besonderen Bergmomente, an die man sich noch lange erinnern wird.
GuMo um 04:00 Uhr
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker früh um 04:00 Uhr. Zuerst verstauen wir noch die letzten Utensilien im oder am Rucksack und machen uns nach einem kurzen Frühstück gegen 04:40 Uhr auf den Weg zum Gipfel.
Im Schein der Stirnlampen folgen wir zunächst einem markierten Wanderweg. Später wird das Gelände zunehmend alpiner und wir bewegen uns durch wegloses Blockgelände. Die Orientierung ist dank der zahlreichen Steinmännchen an den meisten Passagen kein Problem.
Am Schneegupf angekommen, wird schnell klar, dass wir die mitgebrachten Steigeisen an diesem Tag nicht benötigen werden. Wir können die letzten Meter im weichen Firn ungesichert bis zum Einstieg in den Südostgrat des Olperers bewältigen. Spätestens hier sind wir aber froh, unser Seil dabei zu haben.
Technisch ist der Grat mit Kletterstellen UIAA II+ bis III- zwar nicht besonders schwierig, trotzdem bewegt man sich kontinuierlich in extrem ausgesetztem Gelände. Links und rechts geht es ordentlich nach unten. Fehltritte sind hier nicht erlaubt.
Nur wer absolut trittsicher, schwindelfrei und entsprechend erfahren ist, kann den Grat auch ungesichert begehen. Wir entscheiden uns ganz klar für die gesicherte Variante. Schließlich ist es eine Sache, eine Schwierigkeitsskala zu lesen – aber eine ganz andere, tatsächlich auf einem ausgesetzten Grat zu stehen.
Immer wieder finden sich Bohrhaken, sodass sich die Route an den besonders luftigen Stellen gut mit dem Seil absichern lässt. Dazwischen wechseln sich einfache Kletterei und kurze Gehpassagen ab, die wir am losen Seil absolvieren.
Der Gipfel des Olperers – 3.476 Meter.
Nach knapp 4 Stunden bzw. gegen 08:30 Uhr stehen wir schließlich ganz oben und werden mit einer fantastischen Fernsicht belohnt. Das Wetter spielt mit und der Gipfel gehört uns ganz allein. Weit und breit keine Menschenseele.
Nach den vielen Höhenmetern, der Kletterei und der Anspannung am Grat ist es ein besonderer Moment, einfach nur dazustehen und die Aussicht auf sich wirken zu lassen. Die mitgebrachte Brotzeit schmeckt hier oben gleich doppelt so gut.
Für einen Moment fühlt es sich an, als hätten wir den ganzen Berg für uns.
Abstieg wieder über den Südostgrat
Der Abstieg erfolgt ebenfalls über den Südostgrat. Auch wenn die schwierigsten Stellen inzwischen bekannt sind, bleibt die Konzentration hoch. Gerade beim Abstieg merkt man noch einmal deutlich, wie extrem ausgesetzt der Grat tatsächlich ist.
Als wir uns langsam wieder dem unteren Teil der Route nähern, verändert sich die Stimmung merklich. Schon von weit oben können wir die Tagestouristen erkennen. Rund um die Olpererhütte, auf der Terrasse und an der berühmten Hängebrücke herrscht reges Treiben.
Pünktlich zum Mittagessen, kurz nach 12 Uhr, erreichen wir schließlich wieder die Olpererhütte. Nach dem ruhigen und einsamen Gipfelmorgen ist der Kontrast fast surreal. Auf der Terrasse sitzen zahlreiche Wanderer, rund um die Hütte herrscht reger Betrieb und auch an der Hängebrücke reiht sich inzwischen Mensch an Mensch. Das berühmte Fotomotiv zieht längst nicht mehr nur Bergsteiger an.
Während wir bei einem herzhaften Mittagessen sitzen, müssen wir unweigerlich an die vergangenen Stunden zurückdenken. Noch am frühen Morgen standen wir allein auf 3.476 Metern, umgeben von Bergen und völliger Ruhe. Jetzt sitzen wir mitten im Trubel.
Nach dem Mittagessen machen wir uns schließlich an den Abstieg ins Tal. Auf dem Weg nach unten kommen uns immer mehr Tagesgäste entgegen, die zur Olpererhütte und vor allem zur berühmten Hängebrücke wollen. Für uns bleibt trotzdem vor allem eines hängen: Der eigentliche Höhepunkt liegt nicht auf der Brücke, sondern weit darüber – dort oben am Gipfel, wo wir an diesem Morgen ganz allein waren.
Der Olperer – nix für Stolperer!
Get well outside
Weitere Details und die GPS Daten zur Tour findest du bei Komoot:
Weitere Details und die GPS Daten zur Tour findest du bei Komoot:
















































































