Hochtour Großvenediger – mit dem Splitboard aufs Dach der Venedigergruppe

  • Splitboard Mountaineering

  • Venedigergruppe in den Hohen Tauern
  • Sehr gute Kondition erforderlich

  • Kürsinger Hütte

  • Hochalpine Erfahrung notwendig

  • Gletscher & Alpenpanorama

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Höchster Punkt

Ok, let’s do this…

Treffpunkt im Süden von München – kurz vor 7 Uhr, noch mit dieser leicht verschlafenen Vorfreude im Gepäck, die nur große Tourentage mit sich bringen. Die Straßen sind leer, der Kofferraum und die Dachbox hingegen brechend voll. Die Gespräche noch ruhig, aber in unseren Köpfen läuft die Tour längst an. Ziel: Neukirchen am Großvenediger, genauer gesagt der Blausee Parkplatz P2. Schon hier wird klar: Heute wird kein Selbstläufer. Die Weiterfahrt Richtung Parkplatz Hopffeldboden? Fehlanzeige – es ist noch „Wintersaison“ und die Forststraße ist gesperrt.

Also schultern wir unsere Rücksäcke mit den Splitboards und Boots schon hier unten. Kurz nach 10 Uhr geht’s endlich los – mit schwerem Gepäck und einer noch schwereren Frage im Kopf: Wann können wir die endlich anschnallen? Der Frühling hat ganze Arbeit geleistet, selbst in höheren Lagen hat er dem Schnee schon ordentlich zugesetzt. Umso besser, dass wir unsere Zustiegsschuhe dabei haben – eine dieser kleinen Entscheidungen, die sich insbesondere auf dem Rückweg auszahlen werden.

Mit jedem Schritt wird das Wetter besser. Die morgendliche Wolkendecke reißt auf und plötzlich stehen wir in warmer, kraftvoller Frühlingssonne. Genau die Art Licht, die Berge größer wirken lässt, als sie ohnehin schon sind. Erst nach rund 7 Kilometern, ab der Berndlalm auf etwa 1.600 Metern, ist es endlich soweit: Boards runter vom Rucksack und dran die Füße. Ab hier fühlt es sich wirklich nach dem an, was wir gesucht haben – nach einer Splitboardtour. Der Anstieg zieht sich gleichmäßig über die präparierte Forststraße Richtung Materialseilbahn. Nicht steil, aber stetig.

Tipp: Wem der Weg bis zur Materialseilbahn zu weit ist, der kann sich auch mit der Pistenraupe/Hüttentaxi bis zur Materialseilbahn bringen lassen. Das spart Körner, denn die knapp 1.800 Höhenmeter vom unteren Parkplatz bis zur Kürsinger Hütte und die anstehenden 1.300 Höhenmeter am Folgetag für den Gipfel wollen erstmal bewältigt werden. Der Großvenediger ist mit 3.657 Meter der fünfthöchste Berg Österreichs aber dank seiner gutmütigen Flanke, ist er über den Normalweg rein technisch relativ einfach zu besteigen. Im Hinblick auf Kondition und Ausdauer gilt die Tour allerdings als anspruchsvoll – gute Kondition ist unerlässlich und vorheriges Training ist sinnvoll.

Weiter zum Gletschersee

Ab der Materialseilbahn wird das Gelände spürbar alpiner. Es wird steiler, wilder, eindrucksvoller. Der Gletschersee taucht nach einigen Spitzkehren vor uns auf – zugefroren, schneebedeckt, eingebettet in diese massive Bergkulisse. Die Querung fühlt sich fast surreal an. Still. Weit. Gigantisch. Doch wir sind noch lange nicht da. Vom Ende des Sees warten nochmal gut 400 Höhenmeter – und die ziehen sich. Jeder Schritt wird schwerer, die Oberschenkel brennen schon und die Sonne mittlerweile auch. Das Gelände wechselt ständig, kurze steilere Passagen fordern uns immer wieder aufs Neue.

Immer wieder denken wir: Hinter der nächsten Kuppe müsste sie doch endlich auftauchen… die Hütte. Tut sie aber nicht. Bis dann, auf etwa 2.600 Metern, dieses eine Schild auftaucht: „Kürsinger Hütte – 10 min“. Ein Moment zwischen Erleichterung, Unglauben und einem inneren „Endlich!“. Und dann sehen wir sie wirklich.

Zeit zum Abfellen? Fehlanzeige. Wir lassen die Felle dran und rutschen die letzten Meter etwas wackelig Richtung Hütte. Der weiche Schnee macht es uns nicht leicht, aber das ist uns in dem Moment egal. Wir sind einfach nur froh, angekommen zu sein. In der Hütte gibt es erstmal nur ein Ziel: trinken. Die Trinkblasen waren schon länger leer, der Körper verlangt nach Nachschub. Das erste alkoholfreie Weißbier verschwindet schneller als gedacht – und bringt noch nicht viel. Also direkt noch eins hinterher.

Die Stimmung auf der Hütte ist lebendig, herzlich, genau so, wie man es sich wünscht. Die Kürsinger Hütte überzeugt auf ganzer Linie: gutes Essen, entspannter Service, gemütliche Zimmer – ein Ort zum Ankommen und Durchatmen. Nach einem langen Tag und einer ordentlichen Portion Spaghetti Bolognese fallen wir müde, aber zufrieden ins Bett. Draußen wird es still, drinnen auch.

Und während wir langsam einschlafen, wissen wir: Morgen wartet ein ganz besonderer Tag auf uns.

GuMo um 04:30 Uhr

Der Wecker reißt uns aus einem überraschend tiefen Schlaf. Draußen noch tiefste Nacht, drinnen diese Mischung aus Müdigkeit und angespannter Vorfreude. Unser Plan steht: spätestens um 5:15 Uhr soll es losgehen – mit Stirnlampen im allerersten Licht der Dämmerung.

In der Gaststube der Kürsinger Hütte herrscht schon ordentlich Betrieb. Wir sind definitiv nicht die Einzigen mit Gipfelplänen an diesem Tag. Zwischen dampfendem Kaffee, hektisch geschmierten Broten, dem Klappern von Ausrüstung und Müslischüsseln laden wir unsere Energiespeicher. Ein gemütliches Frühstück ist das definitiv nicht. Die Beine sind noch schwer vom Vortag, jeder Gang zum Buffet erinnert daran. Aber wir wissen: Das gibt sich schnell. Spätestens nach den ersten Höhenmetern an der frischen Bergluft.

Die letzten Vorbereitungen laufen nun im Schein der Stirnlampe vor der Hütte. Die Felle sind über Nacht getrocknet, die Schuhe nicht ganz. Egal. Der Gurt sitzt, die Ausrüstung ist dran. Handschuhe anziehen und dann geht es direkt hinter der Hütte los. Kein Einlaufen, kein Warmwerden – einfach direkt bergauf. Und das bleibt auch so für die nächsten gut 1.300 Höhenmeter.

Im diffusen Licht der Morgendämmerung taucht der Großvenediger vor uns auf. Still, mächtig und noch mit grauen Wolken umschlungen. Genau diese Momente sind es, die uns antreiben. Die kalte Nacht hat den Firn hart gefroren – Harscheisen sind Pflicht. Jeder Schritt greift sicher, rhythmisch arbeiten wir uns nach oben. Erst am Anseilplatz können wir die Harscheisen vorerst wieder verstauen.

Im ersten Sonnenlicht des Tages

Und dann kommt dieser Moment: Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf das weite, schneebedeckte Venedigerkees. Vor uns öffnet sich diese riesige Gletscherwelt bis hinauf zur Venedigerscharte – unserem nächsten Zwischenziel. Ein Anblick, der Respekt einflößt und einem wieder einmal verdeutlicht wie klein wir hier oben sind und was heute noch alles vor uns liegt.

Wir nehmen es aber gelassen, finden unseren Rhythmus. Schritt für Schritt. Kurz vor dem steilen Aufschwung zur Scharte legen wir eine Pause ein – trinken, ein kleiner Snack, durchatmen und Harscheisen wieder aufziehen. Das letzte Drittel wartet. Und das hat es in sich. Die Luft wird spürbar dünner, die Atmung schneller. Jeder Schritt kostet jetzt mehr.

Dann rückt das Ziel näher. Der Wind frischt auf, als wir die letzten Meter über den wunderschönen Südostgrat in Angriff nehmen. Und plötzlich stehen wir oben. Mit den Splitboards können wir bis ganz nah unterhalb des Gipfelkreuzes gehen. Nur die letzten 5m hinauf zum obligatorischen Gipfelfoto werden zu Fuß erledigt.

Gipfelmoment – 3.657 Meter über dem Alltag

Ein Moment, der es in sich hat. Die Aussicht reicht gefühlt endlos – bis zum Kaisergebirge, zum Großglockner und weit darüber hinaus. Wir sitzen in der Sonne, packen unsere Brotzeit aus und genießen einfach. Still. Zufrieden. Glücklich. Doch lange bleibt es nicht ruhig. Der Wind wird stärker, die Schlechtwetterfront kündigt sich an. Also nochmal alles aufsaugen. Langsam aber bereit machen für die Abfahrt.

Dann heißt es: umbauen. Seil verstauen, Bindungen einstellen für den Abfahrtsmodus. Die ersten Meter zurück Richtung Venedigerscharte sind anspruchsvoll. Gefrorene Windgangeln und stellenweise auch Blankeis machen das Ganze alles andere als genussvoll. Konzentration ist gefragt.

Doch dann, unterhalb der Scharte, ändert sich alles. Lockerer Pulverschnee. Weite Gletscherhänge. Perfekte Neigung. Und dann ist sie da – diese Leichtigkeit. Wir ziehen unsere Lines in den Hang und können es kaum glauben. Nach all den Höhenmetern, all der Anstrengung: genau dieses Gefühl ist es, das wir suchen. Wir jubeln – laut und ungefiltert.

Die Strapazen? Schon vergessen (vorerst).

Der lange Abstieg

Auch die weiteren Meter Richtung Gletschersee genießen wir in vollen Zügen, auch wenn der Schnee langsam schwerer wird. Es spielt keine Rolle. Wir sind mittendrin. Bis zur Materialseilbahn finden wir immer wieder schöne Abfahrtsstücke, während sich hinter uns das Wetter zusehends verschlechtert. Ein kurzer Blick zurück – und die Gewissheit: Alles richtig gemacht. Der frühe Start hat sich ausgezahlt. Die flacheren Passagen und kleinen Gegenanstiege auf dem Forstweg kosten nochmal Kraft und Nerven. Immer wieder abschnallen, ein paar Meter laufen, wieder anschnallen. Der ganz normale Splitboard-Wahnsinn eben.

Zurück an der Berndlalm angekommen, gönnen wir uns schließlich eine ausgedehnte Pause. Schuhe wechseln, Boards inkl. Boots wieder an den Rucksack – zurück in den „Hiking-Mode“. Was jetzt noch kommt, ist vor allem eines: ein elendig langer „Hatscher“. Die Motivation? Überschaubar. Die Schultern und Beine melden deutlichen Widerstand an. Aber es hilft ja nix: What goes up, must come down.

Der Weg zieht sich. Jeder Schritt mit dem schweren Rucksack wird zu einer kleinen Tortur. Der Wunsch, am Parkplatz anzukommen, wird immer lauter. Doch dann ist es irgendwann soweit. Ziemlich genau 10 Stunden nachdem wir in der Früh bei der Hütte los sind heißt es endlich: Rucksack runter. Kurz durchatmen.

Jetzt schnell zur nächsten Tankstelle, für Eis, Snacks und Getränke.

Wir sind nicht nur stolz, es geschafft zu haben. Wir sind vor allem dankbar. Für dieses kurze, aber perfekte Wetterfenster an diesem Wochenende. Für diese Abfahrt. Und für das, was solche Touren am Ende wirklich ausmacht: die gemeinsame Zeit am Berg und die Kameradschaft.

Well Outside – zu Besuch bei der weltalten Majestät

Weitere Details und die GPS Daten zur Tour findest du bei Komoot:

Weitere Details und die GPS Daten zur Tour findest du bei Komoot:

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